Aktuelles

Für die nähere Zukunft steht die Konzertreise nach Finnland (6.-10. Juni 2012) im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Diese Reise wird amici del canto mit einem A-cappella-Programm an so hochkarätige Konzertorte wie den Dom zu Turku, also in die Kulturhauptstadt Europas 2011, und den Felsendom in Helsinki führen.
Darüber hinaus erhielt der Kammerchor die ehrenvolle Einladung, sich im Rahmen des Link (extern) renommierten Nachtkonzertfestivals Urkuyö ja aaria mit Mozarts “Krönungsmesse” an der Einweihungsfeier für die neue Orgel im Dom zu Espoo zu beteiligen. Link (extern): Konzertankündigung amici del canto im Dom zu Espoo

Programm Finnlandreise:
Cantus Missae“ – „Mess-Gesänge“ bezeichnet die jahrhunderte alten Texte der katholischen Messfeier: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei. Der Kammerchor Amici del Canto unter Leitung von Dennis Hansel begibt sich auf eine musikalische Reise durch die Dramaturgie dieses Mess-Zyklus’ von Josef Gabriel Rheinberger. Motetten aus vier Jahrhunderten kommentieren die Texte, lassen sie nachklingen und konfrontieren sie mit Bildern unserer Zeit. Dies führt die alten Gesänge dorthin, wo sie immer schon hingehörten: Ins Heute und Jetzt unserer Gegenwart.

Im Vorfeld der Finnlandreise wird das A-cappella-Programm am 13. Mai um 18 Uhr in der Wuppertaler Erlöserkirche (Stahlstraße 9) vorgestellt.

Lesen sie hier schon vorab einen ausführlichen Einführungstext von Dennis Hansel zu dem Programm der Finnlandreise:

Liebe Zuhörer, wir begrüßen Sie herzlich zu unserem Konzert, das sich mit den Messgesängen der christlichen Liturgie auseinandersetzt. Im Folgenden möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in den inhaltlichen Aufbau des heutigen Abends und eine Einführung in die einzelnen Kompositionen bieten.

Josef Gabriel Rheinberger wurde 1839 in Vaduz / Liechtenstein geboren. Mit zwölf Jahren zog er nach München, wo er eine umfassende musikalische Ausbildung erhielt und bis zu seinem Lebensende als Dirigent, Komponist und hoch geschätzter Kompositionslehrer wirkte. Rheinberger war von 1877 bis 1900 als Hofkapellmeister für die Kirchenmusik in den beiden Hauptkirchen Münchens verantwortlich. Während dieser Zeit komponierte Rheinberger 14 Messen. Cantus Missae Es-Dur op. 109 zu zwei Chören entstand 1878 und wurde am Neujahrstag 1879 in der königlichen Hofkapelle unter Leitung des Komponisten uraufgeführt. Die Gesänge dieser Messe bilden gewissermaßen das „Rückgrat“ des heutigen Abends. Den einzelnen Sätzen der Messvertonung sind Motetten zugeordnet, die den Inhalt des jeweiligen Messsatzes vertiefen, kommentieren oder weiterspinnen.

Sven-David Sandströms Motette Hear my prayer, o Lord greift den klagenden Duktus des Kyrie auf. Die Komposition basiert auf einem Motettenfragment von Henry Purcell , deren erster Teil bis auf den Schlussakkord vollständig ist. Genau an diesem Punkt setzt Sandströms Bearbeitung an, denn er löst diesen Akkord nicht auf, sondern hält ihn klanglich in der Schwebe und verfremdet ihn. Es klingt, als ob es der Klage die Stimme verschlagen hätte. Allmählich überwindet Sandströms Musik diese Sprachlosigkeit, immer mehr gesungene Töne werden erkennbar und die Textfragmente setzen sich wieder zu sinnvollen Abschnitten zusammen. Es ist, als ob die Musik genau in dem Moment zum Klang und schließlich zur Ruhe findet, nachdem sie sich dazu durchgerungen hat, nicht im Zweifeln stecken zu bleiben.

Das Gloria der Messkomposition ist liturgisch eng mit dem Weihnachts- und dem Osterfest verbunden, denn in den vorangehenden Fastenzeiten wird es in der katholischen Liturgie ausgespart und erklingt erst wieder am Hochfest selbst. Insofern repräsentiert das Gloria sowohl den Gesang der Engel, der die Geburt Jesu ankündigt, als auch die Freude über die Auferstehung am Ostermorgen. Dem gegenüber steht Eric Whitacres Vertonung des Gedichts: I thank you god for most this amazing day von E.E. Cummings. Der Text entfaltet über vier Strophen hinweg das Erlebnis der Gotteserkenntnis. Whitacre fasst dieses Ereignis in eine Musik, die in schlichter Diktion komplexe Klangbezüge schafft. Gegen Ende der ersten und der dritten Strophe beispielsweise setzt er ein kurzes Sopransolo über einen ausgedehnten Akkord, dessen Töne abwechselnd von verschiedenen Stimmen gesungen werden, ohne dass der Akkord sich verändert. Auf diese Weise erscheint der „stehende“ Klang „im Innern bewegt“. Der Text bezieht sich an beiden Stellen auf Gott selbst, auf das „unvorstellbare Du“, das scheinbar unauflösbare Gegensätze in Eins zusammenzuführen vermag. Die Motette versinkt in einem Schlussklang, in dem die beiden Tonarten Cis-Dur und H-Dur gleichzeitig erklingen, obwohl die Motette mit einem reinen C-Dur-Akkord begann. Macht man sich klar, dass H und Cis je einen Halbton über und unter C-Dur liegen, so ahnt man, was der Komponist mit diesem Schluss sagen möchte: Im Prozess der Erkenntnis hat sich der Blick auf die Welt in mehr Facetten aufgespalten, sie ist komplizierter geworden, zugleich aber auch farbiger, und trotzdem ruhig und schön.

Der britische Pianist und Komponist Richard Rodney Bennett wurde 1936 in Broadstaires / Kent geboren. Bennett komponierte seine Conversations im Jahr 1965. Die fünf reizvollen Miniaturen sind in der Besetzung variabel. Bennett veröffentlichte sie in Ausgaben für zwei Flöten, zwei Oboen oder zwei Saxophone.

Im Anschluss an Rheinbergers Vertonung des Credo hören Sie drei Motetten, die das Geschehen um Kreuzigung und Tod Jesu in den Blick nehmen. Claudio Merulo gehörte zu einer Gruppe von Komponisten der Spätrenaissance, die als „venezianische Schule“ bekannt ist. Diese experimentierte stark mit der Klangwirkung mehrerer, z.T. weit über den Raum verteilter Chöre. In der Motette Adoramus te Domine ist dies gegen Ende zu hören, wenn Merulo die Zeilen „redemisti mundum“ von hohen und tiefen Stimmen im Wechsel singen lässt.

Die Zwei Passionsmotetten von Pawel Lukaszewski entstammen sehr unterschiedlichen textlichen Zusammenhängen: „Memento mei“ ist die Aussage eines der beiden mit Jesus Gekreuzigten, der ihn bittet: „Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Der Text der zweiten Motette ist der Karfreitagsliturgie entnommen: „Dein Kreuz beten wir an, Herr, und deine heilige Auferstehung loben und preisen wir: denn siehe, von diesem Holz her kommt Freude für die ganze Welt.“ Beide Motetten münden in denselben musikalischen Schluss, die erste bei „in regnum tuum“, die zweite bei „gaudium in universo mundo“. Allerdings endet die erste Motette im strahlenden Forte, die zweite hingegen in einem intimen Piano. Man kann dieses als Hinweis des Komponisten verstehen: Mit dem Kreuzestod Jesu ist das Reich Gottes bereits in der Welt angekommen – noch nicht in strahlendem österlichen Glanz, sondern vorerst als wärmendes Licht der Hoffnung, das der ganzen Welt Freude bringt.

Georg Friedrich Händel veröffentlichte seine Triosonaten op. 2 im Jahr 1722 in London, allerdings entstanden einige der Sonaten zum Teil deutlich früher. Händel greift hier auf Vorbilder aus Norditalien zurück, wo die Triosonate im 17. Jahrhundert unter Federführung von Arcangelo Corelli eine große Blütezeit erlebt hatte. Die Satzfolge Langsam-Schnell-Langsam-Schnell weist die Triosonaten dieser Sammlung als „Kirchensonaten“ („sonate da chiesa“) aus.

Sanctus und Benedictus sind liturgisch eng mit der Feier des Abendmahls verbunden, also mit dem Ritus, in dem Gott sich dem Menschen spürbar nähert. Diesen menschennahen Gott finden wir auch in Albert Beckers Vertonung von Psalm 121: Ich hebe meine Augen auf, und zwar ganz besonders in der wunderbaren Umsetzung der Passage „Und der dich behütet, schläft nicht“. Becker war von 1889 bis zu seinem Todesjahr 1899 Leiter des königlichen Domchores zu Berlin, für den Felix Mendelssohn Bartholdy bereits in den 40er Jahren zahlreiche achtstimmige Psalmen komponiert hatte.

Johann Sebastian Bach schrieb seine 8-stimmige Motette Fürchte dich nicht im Jahr 1726. Die Motette besteht aus zwei Teilen von je 77 Takten. Im ersten Teil verwendet Bach den Chor in der doppelchörigen Gegenüberstellung, gewissermaßen im „venizianischen Stil“. Im zweiten Teil fasst er die beiden Chöre zu einem Gesamtchor zusammen und schreibt eine dreistimmige Fuge, über der zwei Choralstrophen Paul Gerhards erklingen. In allen Texten der Motette tritt uns eine der zentralen Lehren der Reformation entgegen: Der Mensch ist vor Gott nicht durch eigene Leistungen gerechtfertigt, sondern einzig durch dessen Entscheidung: Sola gratia („allein durch Gnade“). Am Ende führt Bach die Musik zurück in die Doppelchörigkeit und lässt die beiden Chöre einander die Worte entgegen rufen, die sowohl im Bibel- als auch im Choraltext enthalten sind und die Kernaussage der gesamten Motette bilden: „Fürchte dich nicht, du bist mein!“ Mit dieser Zusage kehren wir zum Cantus Missae von Rheinberger zurück, zum Agnus Dei, der dreimaligen Anrufung des „Gotteslammes, das die Sünde der Welt trägt“, und mit der Bitte um Frieden beschließen wir unser Programm. Wir wünschen Ihnen einen guten Abend.
Dennis Hansel

amici del canto